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An die Nutzung von E-Learning in der beruflichen Weiterbildung werden hohe Erwartungen gestellt. So erhofft man sich einen zeitlich und örtlich flexiblen Zugang zu Wissen, neue Lernqualitäten in kollaborativem Lernen und kostengünstige Qualifizierungen. Die Notwendigkeit “lebenslangen Lernens” und der Nutzen “lernender Organisationen” sind unumstritten. Lern- und Arbeitswelt verschmelzen immer mehr. Viele Themen, die Unternehmen bisher als alleinige Aufgabe an Seminarveranstalter delegierten, verlagern sich zurück in die Betriebe. Lernprozesse werden wieder stärker am Arbeitsplatz angesiedelt. Dies lässt die Bedeutung selbstgesteuerten Lernens wachsen, bei dem die MitarbeiterInnen die Lerninhalte selbst auswählen, um in einer zunehmend komplexen Arbeitswelt beschäftigungsfähig zu bleiben (Hamburg, I./ Lindecke, C./Thij, H. ten, 2003). Die neuen Lernmedien sind gerade für die skizzierten Anforderungen der betrieblichen (Weiter-)Bildung besonders geeignet. Daher prognostizierte die American Society for Training and Development (ASTD, 2001) noch im Jahr 2001, dass sich in eintausend Tagen die Welt der Weiterbildung verändern und der Übergang zum E-Learning-Zeitalter vollzogen sein würde.

Inzwischen sind diese optimistischen Einschätzungen relativiert worden und insbesondere für Klein- und Mittelständigeunternehmen (KMUs) mehren sich die Indizien, dass E-Learning-Ansätze und -Konzepte an den Bedürfnissen und Interessen dieser Zielgruppe vorbeigehen und dass diese Gruppe wenig Interesse am und kaum Nutzen aus E-Learning hat (E-Learning in Europe – Results and Recommendations, 2003).

Für KMUs scheinen beim E-Learning die Risiken die Chancen zu überwiegen, so dass nur wenige dieser Unternehmen zu Nutzern der Vielfalt von E-Learning-Angeboten zählen (Beer, D./Hamburg, I./Lindecke, C./Terstriep, J. 2003). Nichtsdestotrotz gibt es auch für KMU Beispiele erfolgreicher Implementation. An diesen Beispielen guter Praxis setzt das EU-geförderte Monitoring-Projekt ARIEL (Analysing and Reporting on the Implementation of Electronic Learning in Europe) an.

ARIEL geht davon aus, dass mit E-Learning ein Instrumentarium zur Verfügung steht, das den Bedürfnissen nach aktueller, flexibler, interkultureller und mehrsprachiger Informationsübermittlung entspricht und den Lerngewohnheiten in KMUs angepasst ist. Vor diesem Hintergrund untersucht ARIEL systematisch, welche E-Learning-Lösungen für KMUs angeboten werden, die deren Arbeit effizienter machen könnten und sich zur Unterstützung der europäischen Integration eignen. Das Projekt erfasst systematisch das verfügbare E-Learning-Angebot für alle EU-Mitglieds- und Beitrittsländer. Es analysiert didaktische Ansätze und Einsatzbereiche und erstellt Prognosen über die künftige Entwicklung von E-Learning in Europa. Eine hohe Bedeutung hat die systematische Verbreitung der Projektergebnisse an die spezifische Zielgruppe der mittelständischen Wirtschaft. Zu diesem Zweck hat das Projekt eine mehrsprachige Website aufgebaut (www.ariel-eu.net). Aus Sicht der Europäischen Kommission geht es um eine Erfolgsbewertung der bisherigen Fördermaßnahmen auf dem Feld des Electronic Learning und um das strategische Ziel, deren Koordination und Wirksamkeit zu verbessern.

Im ersten Schritt hat das Projekt ARIEL alle Projekte der EU-Datenbank »elearningeuropa.info« unter drei primären Fragestellungen untersucht:

  1. Wer ist die Zielgruppe der Projekte? Welche der in der Datenbank erfassten Projekte zielen in ihrer Selbst- und Außendarstellung auf KMU ab?

  2. Welche Projekte führen zu Ergebnissen, die für KMU interessant sind bzw. diese dabei unterstützen, sich in einem erweiterten Europa zu positionieren?

  3. Welche Methoden werden von den Projekten genannt, die für KMU besonders interessant oder unterstützend sein können?

Da die Selbst- und Außendarstellung der Projekte in der Datenbank unterschiedlich weitreichend und tiefgehend ist, ergab sich die Notwendigkeit einer eigenen Befragung, in der die ARIEL-Themen fokussiert werden konnten: Ziel des Projektes, Zielgruppe, Arbeitsgebiet / Arbeitsbereich sowie erwartete Ergebnisse.

So wurde im zweiten Schritt der Fragebogen im Mai 2004 an alle 842 Projekte in der Datenbank geschickt. Den Projekten wurde bis zum 20. Juni 2004 die Möglichkeit der Antwort eingeräumt. Daher bilden die folgenden Zahlen und Ergebnisse einen Zwischenstand ab, der sich in den kommenden Wochen noch verändern kann.

Eine Vielzahl der Projekte zielt ab auf die Entwicklung einer E-Learning-Anwendung (47 Nennungen) [1]. Blended Learning Konzepte nehmen mit 26 Nennungen den vierten Platz ein; allerdings zielen etwas mehr als ein Viertel der antwortenden Projekte auf Blended Learning Konzepte ab – ein Indikator dafür, dass diese Variante von E-Learning an Bedeutung gewinnt.


Abbildung 1 - Projektziele der EU-finanzierten E-Learning-Projekte

104 der antwortenden 105 Projekte machten Angaben zu den Zielgruppen ihrer E-Learning-Projekte. Führend sind mit 73 Nennungen die KMU / SMEs – mehr als 70% der EU-Projekte wenden sich an diese Zielgruppe. LehrerInnen und TrainerInnen sind an zweiter Stelle (62,5%); mit deutlichem Abstand folgen dann Studierende und SchülerInnen, die von 44,2% der Projekte zur Zielgruppe erklärt werden. Aus dieser starken Orientierung an der Zielgruppe der SMEs erklären sich auch die thematischen Schwerpunkte (s. Abbildung 2). Hier führen klar die Themen Kompetenzentwicklung, Zusammenarbeit und Technologie. Relativ wenige Projekte widmen sich den Themen E-commerce und Europäischer Markt.


Abbildung 2 - Thematische Schwerpunkte der EU-geförderten E-Learning-Projekte

Im weiteren Verlauf des Projektes ARIEL wird es darum gehen, diese Zahlen mit Erfahrungen und Ergebnissen aus good-practice-Projekten zu hinterlegen. Hier steht dann vor allem die Frage im Mittelpunkt, wie die EU-geförderten Projekten ihrem Ziel, KMU für E-Learning “aufzuschließen”, nahe gekommen sind und welche Erfahrungen sie in diesem Prozess machten.

Literatur

ASTD (2001): State of the Industry Report. American Society for Training & Development. March 2001.

BEER, D./HAMBURG, I./LINDECKE, C./TERSTRIEP, J. (2003): E-Learning: Kollaboration und veränderte Rollen im Lernprozess. Gelsenkirchen: Inst. Arbeit und Technik. Projektbericht des Instituts Arbeit und Technik, Nr. 2003-04

E-LEARNING IN EUROPE – RESULTS AND RECOMMENDATIONS (2003). Thematic Monitoring under the LEONARDO DA VINCI Programme. Report by Graham Attwell, Lone Dirckinck-Holmfeld, Peter Fabian, Andrea Kárpáti and Peter Littig. Impuls 010. Bonn Oktober.

HAMBURG, I./LINDECKE, C. (2004): Blended learning - chance for vocational training in small and medium sized companies. In: Jutz, Christine / Hirt, Matthias / Rizek-Pfister, Cornelia (eds.): 6th International Conference on New Educational Environments: the knowhow hub for blended learning and media didactics; Neuchâtel, Switzerland, 27-30 september, 2004. Berne: net4net.

HAMBURG, I./LINDECKE, C. (2004): E-Learning für kleine und mittlere Unternehmen: eine Untersuchung europäischer Projekte. In: Pangalos, Joseph / Knutzen, Sönke / Howe, Falk (Hrsg.): Informatisierung von Arbeit, Technik und Bildung: Kurzfassung der Konferenzbeiträge; GTW-Herbstkonferenz, 04./05. Oktober 2004. Hamburg: Techn. Univ., S. 159-162

MILL, U. / BONNEMANN, D. / PAUL, H. (2004): E-Learning in KMU: Stolpersteine auf dem Weg zur Wissensgesellschaft. In: Institut Arbeit und Technik: Jahrbuch 2003/2004. Gelsenkirchen.



[1] Mehrfachnennungen waren hier möglich

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